Der Werkzeugkasten ist geschlossen. Auf dem Tisch liegt kein Auftrag, sondern ein Brett mit Brot. Jemand setzt sich dazu. Eine Scheibe wird abgeschnitten und weitergereicht. Die Arbeit darf warten, und das Gespräch bekommt Zeit. Im Streit über den Sabbat spricht Jesus über dessen Zweck und über seine eigene Autorität:
Der Sabbat ist um des Menschen willen da und nicht der Mensch um des Sabbats willen; somit ist der Menschensohn Herr auch über den Sabbat (Mk 2,27-28) .
Der Sabbat ist dem Menschen zugedacht. Trotzdem bleibt er ein Gebot. Ob das Gesetz geschrien, laut ausgesprochen oder ruhig gesagt wird: Es bleibt heilig. Die Lautstärke verleiht ihm keine zusätzliche Heiligkeit, und ein freundlicher Ton nimmt seinen Anspruch nicht zurück. Für den Menschen, der diese Worte hört, macht der Ton dennoch einen Unterschied. Entsprechende Lautstärke kann Angst und Abwehr wecken. Ein ruhiger Ton lässt Raum, hinzuhören und zu verstehen. Doch auch ruhig ausgesprochen kann das Gesetz uns nicht erlösen. Ebenso wenig Lautstark verkündigt. Es zeigt uns das Gute und legt zugleich unsere Schuld offen. Für uns wird am Gesetz deutlich, dass wir Gottes Anspruch nicht vollkommen erfüllen können. Das Gesetz kann uns unser Versagen vor Augen führen – unsere Schuld nehmen und uns aus der Macht von Sünde und Tod befreien kann es nicht. (Röm 3,20-24) (Röm 7,10-13)
Auch vor dem Kreuz waren Menschen auf Gottes Vergebung angewiesen. Gott gab Israel Opfer für Schuld und Sünde. Im Opferdienst wurde sichtbar, dass Schuld ernst ist und Versöhnung nicht durch eine bessere persönliche Leistungsbilanz entsteht. Aus christlicher Sicht wiesen diese Opfer auf die Stellvertretung hin, die in Jesus Christus Wirklichkeit wurde. Dabei waren die Tieropfer selbst nicht die endgültige Erlösung. Der Hebräerbrief nennt sie ein Schattenbild und erklärt, dass Tierblut die Sünde nicht wegnehmen kann. Ihre Bedeutung liegt in dem Opfer, auf das sie hinweisen: Christus hat sich selbst ein für alle Mal hingegeben. (Heb 10,1-4) (Heb 10,10)
Sein Tod gilt ausdrücklich auch den Übertretungen unter dem ersten Bund. Deshalb haben Vergebung und Erlösung vor und nach dem Kreuz dieselbe Grundlage: Gottes Handeln in Christus. Das Kreuz ist einmal in der Geschichte geschehen; seine rettende Bedeutung reicht auch zu den Menschen zurück, die vorher lebten und Gottes Verheißung vertrauten. Sie konnten auf seine Gnade hoffen, obwohl sie noch nicht sehen konnten, wie er sein Werk vollbringen würde. (Heb 9,15)
Heute dürfen wir auf dieses vollbrachte Werk zurückblicken. Wer Jesus Christus vertraut und seine Rettung von ihm empfängt, hat ewiges Leben. Unsere Hoffnung gründet in seiner Hingabe für uns. Die Vollendung dieser Erlösung ist ein Leben in Gottes Gegenwart, in dem Tod, Trauer und Schmerz keinen Platz mehr haben. (Joh 5,24) (Offb 21,3-4)
So möchten wir auch den Sabbat verstehen. Gott hat den siebten Tag gesegnet und geheiligt. (Ex 20,8-11) An ihm möchten wir des Schöpfers gedenken, der zugleich unser Erlöser ist. Für uns gehört dazu die Erinnerung, dass unser Leben von seinem Handeln getragen wird. (Gen 2,1-3) (2 Kor 5,19)
Zugleich sagt uns das Gebot im Dekalog der Sabbat soll uns ein Feiertag sein. Ein Feiertag des Schöpfers. Für uns heißt dies nun auch ein Feiertag zu ehren all des Guten das er uns Geschenkt hat. Insbesondere Natur, Gemeinschaft, Essen, Getränk, Gespräche, Ruhe und Zeit mit Familie und Freunden. Demjenigen zur Ehre der all die Wasserquellen gemacht hat. Sowohl der Irdischen als auch die Geistlichen. Oh Herr – öffne uns die Quellen des lebendigen Wassers ! Hilf uns dich zu ehren. Hilf uns dir deinen Tag zu geben und ihn zu leben wie er gedacht ist – auf dass demjenigen die Ehre aller Guten Dinge zugute kommt dem sie zusteht.
Wir können diesen Tag niemandem als Forderung entgegenhalten. Wir stehen selbst vor dem heiligen Anspruch des Gesetzes und sind auf Gnade angewiesen. Unser Halten des Sabbats bleibt unvollkommen und trägt unsere Rechtfertigung nicht.
Wo wir Gottes gute Weisung leben, kann und soll sie uns und anderen zum Segen werden. Am Sabbat kann das heißen: Die Arbeit ruht, Menschen haben Zeit füreinander, und auch diejenigen, die sonst für andere arbeiten, dürfen ausruhen. Die Liebe zu diesem Tag kann uns dennoch nicht befohlen werden. Auch darin sind wir auf Gottes Wirken angewiesen.
Das Brot darf langsam geschnitten werden. Das Gespräch darf länger dauern. Und unsere Hoffnung bleibt Christus – auch dort, wo wir noch nicht verstehen und nicht so leben, wie wir es gerne würden.

































