Dieselbe Gnade

Röm 4,5 | Röm 11,32

Röm 4,5: wer dagegen keine Werke verrichtet, sondern an den glaubt, der den Gottlosen rechtfertigt, dem wird sein Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet;

Röm 11,32: Denn Gott hat alle zusammen in Ungehorsam verschlossen, um allen Erbarmen widerfahren zu lassen.

Wir sehen zwei Menschen und haben schnell eine Vorstellung davon, wer sie sind. Kleidung, Auftreten und Lebensweise lassen uns Unterschiede erkennen. Manches davon mag zutreffen. Vieles wissen wir nicht.

Vielleicht führt einer ein geordnetes Leben, übernimmt Verantwortung und hilft anderen. Vielleicht trägt der andere die sichtbaren Spuren eines Lebens, in dem vieles zerbrochen ist. Doch unter dem Kreuz begegnen sich zwei Menschen, die auf dieselbe Gnade angewiesen sind.

Das bedeutet nicht, dass jedes Verhalten gleich wäre. Treue und Betrug, Fürsorge und Gewalt haben sehr unterschiedliche Folgen. Gutes bleibt gut, und Unrecht bleibt Unrecht. Aber auch ein verantwortungsvoll geführtes Leben macht seinen Menschen nicht sündlos. Unsere Schuld erschöpft sich nicht in dem, was andere an uns sehen. (Röm 3,22-24📖)

Deshalb kann keiner von beiden seine Lebensgeschichte als ausreichenden Grund dafür vorlegen, dass Gott ihn gerecht sprechen müsste. Auch derjenige, der viel Gutes getan hat, braucht Vergebung. Und derjenige, der wenig vorweisen kann, findet im Evangelium einen Grund zur Hoffnung. (Röm 4,4-8📖)

Paulus unterscheidet hier zwischen verdientem Lohn und empfangener Gnade. Gott rechtfertigt den Gottlosen, der ihm glaubt. Der Mensch muss also nicht erst eine eigene Gerechtigkeit herstellen, auf deren Grundlage Gott ihn anschließend annimmt. Er vertraut dem, der ihn trotz seiner wirklichen Schuld gerecht spricht.

Dieser Glaube ist keine besonders eindrucksvolle Leistung. Seine Zuversicht liegt in dem, was Christus getan hat. Auch ein Mensch, der ringt, zweifelt und seine eigene Schwäche deutlich spürt, darf sein Vertrauen auf ihn setzen.

Dabei erklärt Gott die Schuld nicht für belanglos. Christus hat sich für Sünder hingegeben. Am Kreuz gehören Gottes Gerechtigkeit und sein Erbarmen zusammen: Vergebung gründet in einem wirklichen Erlösungsgeschehen. (Röm 3,25-28📖)

Darum steht im Bild das Kreuz zwischen den beiden Menschen und dem Feuer. Es veranschaulicht den Schutz, den sie in Christus suchen. Weder der Anzug noch die Kutte trägt sie. Auch ihre gegenseitige Unterstützung kann das Erlösungswerk nicht ersetzen. Beide schauen auf denselben Herrn.

Diese gemeinsame Bedürftigkeit begegnet uns auch im zweiten Leitvers. (Röm 11,30-32📖)

Paulus spricht dort über Israel und die Menschen aus den übrigen Völkern. Er erinnert daran, dass beide Seiten Ungehorsam kennen und Gottes Erbarmen brauchen. Wer Erbarmen empfangen hat, hat deshalb keinen Grund, auf den anderen herabzusehen.

Darin liegt auch eine Einladung für uns: Wir können dem anderen begegnen, ohne uns selbst über ihn zu stellen. Wir dürfen Unrecht benennen und Verantwortung ernst nehmen. Zugleich bleiben wir Menschen, die selbst Vergebung brauchen. Unter dem Kreuz können wir einander stützen, weil keiner von uns sich selbst erlöst.

Das macht unser weiteres Leben nicht bedeutungslos. Versöhnung, Wiedergutmachung, Fürsorge und ein verantwortlicher Umgang miteinander sind gut. Sie können anderen Menschen helfen und Leid vermindern. Auf dem gelegten Grund darf etwas wachsen, das Bestand hat. (1 Kor 3,11-15📖)

Doch auch dort, wo Veränderung geschieht, bleibt Christus der Grund. Unsere Fortschritte ergänzen sein Opfer nicht. Unser Scheitern müssen wir nicht verbergen, um zu ihm kommen zu dürfen.

Rechtfertigung bedeutet deshalb auch nicht, dass unsere Gegenwart bereits heil geworden wäre. Schuld kann vergeben sein, während ihre Folgen noch schmerzen. Abhängigkeit, Krankheit, zerbrochene Beziehungen und die eigene Schwäche verschwinden nicht einfach. Wir warten noch auf die Erlösung, die auch unsere vergängliche Existenz erneuert. (Röm 8,23-25📖)

Die Hoffnung der beiden Menschen liegt in Christus. Er hat sich für Sünder hingegeben. Ihm vertrauen sie sich an – mit dem, was gelungen ist, mit dem, was zerbrochen ist, und mit der Schuld, von der sie sich selbst nicht freisprechen können.

Zwei unterschiedliche Lebensgeschichten. Derselbe Grund zur Hoffnung. Dieselbe Gnade.

Schirmflieger für dieses Korn

Weiteres Saatgut

Jedes Design erzählt nicht nur eine Geschichte, sondern weißt auf den hin der sie bereits kennt.

Warenkorb
  • dein Warenkorb ist derzeit leer
0