Auf dem Marktplatz warten Tagelöhner auf Arbeit. Einige werden früh eingestellt, andere erst viele Stunden später. Am Abend stehen sie wieder zusammen – diesmal, um ihren Lohn zu bekommen.
Als die zuletzt Eingestellten denselben Betrag erhalten wie die, die den ganzen Tag gearbeitet haben, beginnt der Vergleich. Plötzlich wird nicht mehr nur gefragt: Was habe ich bekommen? Sondern: Was hat der andere bekommen – und warum genauso viel?
(Mt 20,13-16)Jesus erzählt das Gleichnis vom Himmelreich nicht als Anleitung für moderne Lohnabrechnung. Die Spannung liegt gerade darin, dass der Besitzer mit seinem eigenen Gut großzügig handelt und die zuerst Gekommenen daraus einen Anspruch auf mehr ableiten.
Vergleich kann selbst ein gutes Geschenk bitter machen. Was eben noch ein vereinbarter und angenommener Lohn war, fühlt sich plötzlich zu klein an, weil jemand anderes ebenfalls beschenkt wird.
Im Evangelium ist Gnade kein Bonus für diejenigen, die sich im Verhältnis zu anderen besser schlagen. Niemand kann Christus entgegenhalten, er müsse ihm aufgrund längerer religiöser Leistung mehr Erlösung schulden. Das macht Treue, Arbeit und Verantwortung nicht wertlos. Aber sie werden nicht zur Währung, mit der Gottes Gnade gekauft oder gegen andere aufgerechnet wird.
Das Gleichnis lässt deshalb eine unbequeme und befreiende Frage zurück: Kann ich mich über die Großzügigkeit Gottes auch dann freuen, wenn sie einem Menschen gilt, mit dem ich mich lieber vergleichen würde?

































