„Darum wird jeder, der diese meine Worte hört und nach ihnen tut, einem klugen Manne gleichen, der sein Haus auf Felsengrund gebaut hat. Da strömte der Platzregen herab, es kamen die Wasserströme, es wehten die Winde und stießen an jenes Haus; doch es stürzte nicht ein, denn es war auf den Felsen gegründet.“
Diese Aussage Jesu begegnet uns im Zusammenhang der Bergpredigt – einer Predigt, die den Zuhörer wahrhaftig und tief schneidet. Jesus offenbart in der Bergpredigt und vielen anderen Stellen aus unserer Sicht, wie tief die Sünde in uns sitzt. Er bleibt nicht allein bei der sichtbaren Handlung, sondern führt immer wieder zu dem zurück, was im Herzen geschieht. (Matthäus 5,21-22) , (Matthäus 5,27-28) , (Matthäus 6,1) , (Matthäus 7,3-5)
Wir können verschiedenste Maßnahmen ergreifen, um die Sünde einzudämmen, doch sie verschwindet nicht vollständig. Wir schlussfolgern daraus, dass wir persönlich Erlösung brauchen. Denn eine Teilverbesserung – so umfangreich sie auch sein mag – löst das zugrunde liegende Problem nicht. Laut der Schrift ist das menschliche Herz unheilbar krank. (Jeremia 17,9) Doch je mehr wir davon erkennen, desto mehr scheint es, als würden an Problem eins, zwei und drei noch sieben weitere hängen. Von Ungereimtheit acht und neun ganz zu schweigen.
All diese Dinge sitzen aus unserer Sicht tief verzweigt in unserem Herzen. Bei der OP unseres offenen Herzens wird sichtbar, dass es nicht einfach ein Geschwür hat, sondern dass das Geschwür im Gewebe selbst sitzt. Wir brauchen also ein grundlegend neues Herz – und das kann nur der Herr uns geben. (Hesekiel 36,26-27) . Es gibt aus Feldarbeits Sicht keine ausreichende Verbesserung des Herzens. All die Zeit, in der wir nun mit diesem sündhaften Herzen schon durchs Leben schreiten, sind wir auf Gnade angewiesen und werden es bis zu seiner Wiederkunft auch bleiben. Das Herz kann und soll erlöst werden.
Jesu erwirkte Gnade gilt in Gott schon von Anbeginn an. Golgatha machte Gott nicht gnädig. Am Kreuz wurde vielmehr offenbar, wie Gottes Langmut gegenüber der Sünde mit seiner Gerechtigkeit zusammengehört. (Römer 3,25-26) . In Christus versöhnte Gott die Welt mit sich selbst. (2. Korinther 5,19) Den, der Sünde nicht kannte, machte er für uns zur Sünde. (2. Korinther 5,21) Das Werk wurde vollbracht. (Johannes 19,30)
Der Glaube daran eröffnet uns, dass wir schon immer in einer Realität leben, deren Grundlage nicht unsere eigene Gerechtigkeit, sondern Gottes Gnade ist. Mit der Zeit erkennen wir mehr und mehr, was das bedeutet.
Am Kreuz Golgathas offenbart sich, wie wahrhaftig, bejahend und integer Gottes Wort ist. Wenn Gott sagt, dass er Liebe ist, dann ist er Liebe auf existenzieller Ebene – Liebe bis ins Äußerste. (1. Johannes 4,9-10) Eine Liebe, die die Sünde anderer aushält und den Tod, der dieser Sünde entspringt, selbst trägt.
Die am Kreuz erwirkte Gnade ist damit aus unserer Sicht die Existenzgrundlage einer sündhaften Welt.
Wir kennen unser eigenes Herz nicht vollständig. Wir kennen häufig nicht einmal alle Grundlagen unserer Entscheidungen – insbesondere jene, die tief im Unterbewusstsein verborgen liegen. Gott dagegen kennt den Menschen vollständig. (Psalm 139,4-6) (Psalm 139,23-24) Er kennt auch die Grundlagen unserer Entscheidungen und trägt durch die Gnade Golgathas selbst die Folgen der ihnen innewohnenden Sündhaftigkeit. Aus Feldarbeits Sicht ist seine Gnade damit sogar die Existenzgrundlage jeder freien Entscheidung.
Die Bibel ist Gottes Wort – seine Selbstoffenbarung. In ihr offenbart Gott, wie er ist und wie er sich selbst versteht. Das Kreuz steht im Zentrum dieser Offenbarung. Aus Feldarbeits Sicht steht damit auch der stellvertretende Tod Christi im Zentrum des Selbstverständnisses Gottes: Er entspringt seinem Wesen.
Das Kreuz Golgathas und die dort erwirkte Gnade reichen aus Feldarbeits Sicht für die persönliche Sünde jedes einzelnen Menschen vollkommen aus. Sie ist in sich geschlossen, vollständig und bedarf keiner Ergänzung. Keine Charakterverbesserung unsererseits oder Boshaftigkeit unsererseits kann dem vollbrachten Werk Jesu etwas hinzufügen oder davon wegnehmen. Wirksam wird das persönliche Sühnopfer Jesu dadurch, dass man daran glaubt (Röm 3,25) . Der Mensch hat keinen anderen Zugang zu diesem vollbrachten Sühnopfer als den Glauben daran. Er selbst hat daran keinen Anteil und das ist aus Feldarbeits Sicht auch gut so – denn das Erlösungswerk sollte genauso integer und vollständig sein wie Gott selbst – heilig (abgesondert). Es muss also daher aus der selben Quelle kommen und darin seine Vollendung finden.
Es ist vollbracht. (Johannes 19,30)
Christus ist nicht nur die Sühnung für die Sünden der Gläubigen, sondern für die der ganzen Welt. (1. Johannes 2,2) (Johannes 1,29)
Gottes Wesen ist nicht wechselhaft. (Jakobus 1,17) Seine Gnade entspringt keiner nachträglichen Veränderung in ihm. Sein absolut und von Wahrhaftigkeit durchdrungenes „Ja“ zum Menschen beginnt aus unserer Sicht nicht erst dort, wo der Mensch dieses Ja erwidert, sondern bereits eine Ewigkeit vor seiner Geburt.
Es gilt demjenigen, den wir gern um uns herum haben.
Auch dem, den wir weniger mögen.
Auch dem, mit dem wir eigentlich weniger gern Zeit verbringen.
Auch demjenigen, der im Gefängnis sitzt.
Auch demjenigen, der aus seiner Abhängigkeit, seinem Zorn und seiner Schwäche niemals allein herausfindet oder nicht mehr aufstehen kann.
Auch demjenigen, den wir insgeheim verachten.
Auch Menschen, die Angst und Schrecken in die Geschichte dieses Landes geschrieben haben.
Und auch denen, die Jesus ins Gesicht spuckten, ihn schlugen, misshandelten, bis zur Unkenntlichkeit entstellten und schließlich unschuldig kreuzigten.
Er starb nicht nur für die Sünden der Gläubigen, sondern für die der ganzen Welt. Also auch für Menschen, die niemals an sein Erlösungswerk für sie glauben werden.
Aus Feldarbeits Sicht bedeutet das, dass Gott jeden einzelnen Menschen bis in seinen eigenen Tod hinein liebt – selbst wenn dieser Mensch nicht für die Ewigkeit bei ihm sein wird. Er liebt ihn so sehr, dass er lieber für dessen kurze Existenz starb, als auf diese Person vollständig zu verzichten.
O Reichtum seiner Herrlichkeit!
Der Fels ist unserer Meinung nach letztlich im Kern diese Ansage Gottes an den Menschen:
Ich liebe dich.
Eine so einfache Aussage – und doch von einer Wahrhaftigkeit und Tiefe durchdrungen, wie wir sie uns nicht in Gänze vorstellen oder gar Leben können.
Gottes „Ich liebe dich“ ist keine Stimmung. Kein vorläufiges Angebot. Keine romantische Phrase. Es ist genauso gewiss wie sein Wort, durch das diese Welt ins Dasein gerufen wurde. (Genesis 1,1) (Johannes 1,1-3)
Amen.
Aus Feldarbeits Sicht reicht dieses irdene Gefäß um Gott in seiner Tiefe zu erfassen und zu verstehen einfach nicht aus. Dieses Vergängliche muss Unvergänglichkeit anziehen. (1. Korinther 15,53-54)
Denn das ewige Leben besteht darin, Gott zu erkennen – den allein wahren Gott und den, den er gesandt hat, Jesus Christus. (Johannes 17,3)
Aus Feldarbeits Sicht wird die Form des ewigen Lebens dieser Welt vielleicht ähnlicher sein, als wir manchmal denken – und doch wird etwas grundlegendes anders sein:
Jeder Moment dieses Lebens wird seine Quelle und seine Bestimmung in Gottes wahrhaftigem „Ich liebe dich“ finden.
































