Der Schnürsenkel hat sich festgezogen. Kleine Finger zupfen daran, ziehen an der falschen Schlaufe und machen den Knoten noch enger. Der Erwachsene daneben könnte es in zwei Sekunden erledigen. Stattdessen bleibt er sitzen und zeigt langsam, wo man anfangen kann.
Geduld schenkt einem anderen Menschen Zeit, ohne ihn für seine Langsamkeit bloßzustellen. Das fällt nicht immer leicht. Besonders dann nicht, wenn wir selbst müde sind und längst weiterwollen.
Paulus spricht von Geduld, Freundlichkeit und dem Ertragen und Vergeben untereinander. Er richtet diese Worte an Menschen, deren Zugehörigkeit zu Gott bereits vorausgeht. Sie müssen sich Gottes Liebe nicht erst mit einem gelungenen Charakter verdienen.
(Kol 3,12-13)Auch wir leben davon, dass Christus uns nicht auf unsere ungeduldigsten Momente festlegt. Seine Vergebung wird zum Ausgangspunkt, an dem wir neu anfangen dürfen. Daraus kann eine Geduld wachsen, die einem anderen das Lernen ermöglicht. Nicht jeder Knoten geht sofort auf. Aber niemand muss dafür beschämt werden. Wie wir auch Kindern begegnen in Ihrer ganz normalen Unfähigkeit, so dürfen wir wo gegeben auch versuchen einander zu begegnen. Weiterhin tun wir uns tagtäglich Unrecht und sehen einander nicht vollständig. Weiterhein tragen wir Masken und bleiben einander Gerechtigkeit und Güte schuldig. Möge der Herr uns helfen einander zu vergeben wie wir Kindern ihre Unfähigkeit nicht anrechnen. Uns bleibt nun dennoch dank Gottes Verheißung einer neuen Welt die Hoffnung auf eine Zeit – in der auch diese Knoten einst gelöst sein werden.

































